Homeschooling: Doch um welchen Preis?

Dem Lockdown etwas positives abzugewinnen, fällt inzwischen immer schwerer. Ich glaube, wir alle vermissen unser „altes Leben“ und sehnen uns nach Abwechslung und Abenteuern. Mir fehlen vor allem unsere Reisen, verlässliche Bildungsangebote und natürlich die unbeschwerten Treffen mit Freunden und der Familie. Doch es gibt einen großen Lockdown-Vorteil, den ich eigentlich nicht mehr missen möchte: Die Morgende, an denen keine Schule ist, sind bei uns deutlich entspannter.

Entspannter Familienmorgen

An diesen Tagen gibt es kein Weckerklingeln, kein Gehetze und kein Geschrei. Statt die Lavendelkinder unermüdlich anzutreiben, können wir uns morgens Zeit lassen und deutlich entspannter in den Tag starten.

Denn ob die Kinder im Schlafanzug ihre Homeschooling-Aufgaben erledigen oder pünktlich um acht Uhr an ihrem Schreibtisch sitzen, interessiert hier inzwischen niemanden (mehr). Das nimmt den Druck raus und sorgt für ein besseres Familienklima.

Der Preis ist hoch

Doch die Vorzüge haben auch ihre Tücken. Denn spätestens wenn die Lavendelkinder mit dem Lernen zu Hause beginnen sollen, gibt es bei uns regelmäßig Streit. Die Nerven liegen blank. Die Motivation ist im Keller und Frust ist quasi vorprogrammiert.

Tatsächlich hat sich im Laufe der Homeschooling-Zeit herausgestellt, dass wir nicht parallel mit den Kinden arbeiten können. Auch wenn wir die Homeschooling-Tage bestmöglich vorbereiten, schaffen es die Lavendelkinder nicht, selbstständig zu arbeiten.

Selbstständiges Lernen von Schulanfängern – unmöglich!

Ich finde, das man das von Grundschulkindern auch nicht erwarten kann. Vor allem das Lavendelmädchen, das erst im Sommer eingeschult wurde und das das System Schule erst wenige Wochen kennt, braucht natürlich noch viel Begleitung.

Wenngleich die Lehrerinnen die Homeschooling-Aufgaben in der Schule bereits mit den Kindern besprochen haben, tauchen zu Hause Fragen auf. Weitere Materialien werden benötigt oder die Motivation bei den Kindern lässt rapide nach.

Eltern im Zwiespalt

So steht das Lavendelmädchen an Homeschooling-Tagen also alle fünf Minuten neben uns und hat eine Frage, eine Bitte oder ein dringendes Problem. Wir Eltern befinden uns in diesem Augenblick im Zwiespalt. Einerseits müssen wir unsere eigene Arbeit im Homeoffice schaffen, andererseits sind wir für die Kinder die primären Ansprechpartner und stehen in der Verantwortung.

Begleiten wir unsere Kinder nicht beim Lernen, sind die Lernrückstände irgendwann nicht mehr aufzuholen. Doch nicht alle Eltern haben die Kraft, die Zeit und die Ressourcen diese Aufgabe zu übernehmen.

Und dann ist da ja noch das Familienklima, das sowieso schon überstrapaziert ist und auf wackeligen Beinen steht. Tritt dann noch die Mutter oder der Vater als Lehrer auf, der erklären und korrigieren soll, kann das eigentlich nicht gut gehen.

Wir ziehen die Reißleine

Der einzige logische Schritt für uns war es daher, die Reißleine zu ziehen. Um den Familienfrieden zu wahren, Verdienstverluste aufzufangen und möglichst viel Struktur in unseren Alltag zu bringen, haben wir die Lavendelkinder nach langem Hadern für die Notbetreuung angemeldet.

Dort erarbeiten sie ein Teil ihrer Homeschooling-Aufgaben. Den Rest erledigen wir am Nachmittag oder Wochenende, wo wir als Eltern mehr Zeit und Geduld haben, da wir am Vormittag weitestgehend konzentriert unsere Aufgaben abarbeiten konnten.

Ein schlechtes Gefühl habe ich dabei. Doch was haben unsere Kinder davon, wenn ihre Eltern am Ende ihrer Kräfte sind?

Wie erlebt ihr momentan die Situation? Wie geht ihr damit um?

Anika

Hier schreibt Anika. Ich bin 37 Jahre alt und Mutter von zwei wundervollen Kindern. Zusammen mit dem Lavendelpapa, dem Lavendeljungen (9 Jahre) und dem Lavendelmädchen (6 Jahre) wohne ich im wunderschönen Lüneburg. Von hier aus unternehmen wir viele kleine und große Reisen in die nähere Umgebung und in die weite Welt. Ich bin Liebhaberin des Lebens, des Reisens, guten Essens und schöner Dinge. Reisen, backen, basteln und fotografieren sind meine Leidenschaft. Mit dem Bloggen habe ich 2010 begonnen, als ich an meiner Doktorarbeit schrieb und einen Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit suchte. Eigentlich bin ich Pädagogin und Literaturwissenschaftlerin, was sich auch in den Blogthemen widerspiegelt. Seit 2016 blogge ich hauptberuflich.

5 Gedanken zu „Homeschooling: Doch um welchen Preis?“

  1. Liebe Anika,
    danke für deine Gedanken, Entscheidungen und Erfahrungen zum ewig andauernden Lockdown. Ich habe auch zwei Kinder (Töchterchen 7 Jahre, besucht eigentlich die 2. Klasse ihrer Grundschule und Sohnemann 5 Jahre, der nach den Sommerferien endlich die Schule besuchen möchte). Beide Kinder (introvertiert und extrovertiert) 24 Stunden daheim sind ein explosiver Hexenkessel. Doch wie du schon sagst, es gibt ganz schöne Momente, die man aus der Krise ziehen und bewahren kann. Ich würde mir wünschen, dass es nach Corona, wie man so schön sagt, einfacher sein wird, seine Kinder von der Präsenzpflicht zu befreien um längere Urlaubsreisen, Bildungsurlaube etc. zu unternehmen. Berechtigte und nachweisliche Reisen oder Ausflüge, natürlich. Ja, man kann in dieser ganzen Situation nicht richtig oder fals handeln, Hier muss man mit Verstand und Weitsicht auf sein Herz und das der gesamten Familie hören und abwägen. Nach bestem Wissen und Gewissen. Wir geben alle schon so viel auf, wissentlich, unwissentlich oder vorgeschrieben. Wenn man dann noch etwas Gutes daraus gewinnt und weiß, wofür man all das macht, wird es sich hoffentlich lohnen. Bleibt gesund!

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