Kinder ertrinken Tipps

Kinder ertrinken leise: Ein Sommerspaß mit schrecklichen Folgen

Im Sommer ist Badezeit. Im Garten stellen wir für unsere Kinder Plantschbecken auf. Wir fahren mit ihnen ins Schwimmbad oder an den Badesee und freuen uns über eine erholsame Zeit am Meer. Kinder, egal ob klein oder groß, lieben es, im Wasser zu spielen und zu plantschen. Kinder im Pool sind ein Selbstläufer. Endlich haben wir als Eltern mal Zeit für uns. Natürlich weiß man, dass Kinder, die nicht schwimmen können, nur unter Aufsicht baden sollen. Aber im flachen Wasser kann doch eigentlich nicht passieren, oder doch? In der letzten Woche wäre das Lavendelmädchen fast im Pool ertrunken und das, obwohl es im Wasser problemlos stehen konnte. Für mich ein Grund, euch noch einmal für das wichtige Thema Ertrinken von Kindern zu sensibilisieren.

Ein großer Schock

Es war ein warmer Nachmittag. Wir waren bei Freunden zum Spielen eingeladen. Das Lavendelmädchen spielte mit ihrer Freundin im Pool. Es hatte sich einen Schwimmreifen um den Bauch gelegt und lief damit durchs Wasser. Wir saßen auf der Terrasse und unterhielten uns. Vier Meter trennten uns vom Pool. Als ich in Richtung Pool guckte, sah ich das Lavendelmädchen mit dem Kopf im Wasser liegen. Der Schwimmreifen war nach oben geklappt. Die Arme seitlich ausgestreckt. Die Beine strampelten. Sie schaffte es nicht, das Gewicht zu verlagern und wieder auf die Beine zu kommen.

Ich rannte los, sprang in den Pool und zog sie aus dem Wasser. Das Lavendelmädchen weinte sofort. Ich drückte dem Lavendelpapa das zitternde und weinende Lavendelmädchen in den Arm, der es in ein Handtuch kuschelte und sich mit ihr auf eine Bank setzte. Ich kletterte nass aus dem Pool und stand unter Schock. Mir war zum Weinen zumute. Was wäre passiert, wenn wir nicht in unmittelbarer Nähe gewesen und auf das Lavendelmädchen aufmerksam geworden wären? Ich mag es mir gar nicht ausmalen.

Während der Lavendelpapa das Lavendelmädchen dafür lobte, dass sie in der Situation toll reagiert hat, weil sie mit den Beinen gestrampelt und so auf sich aufmerksam gemacht hat, schoss mir das Stichwort „sekundäres Ertrinken“ in den Kopf. Was wäre, wenn Wasser in die Lunge gekommen ist und das Lavendelmädchen nachträglich ersticken würde? In den folgenden Stunden beobachteten wir das Lavendelmädchen ganz genau. Zum Glück gab es keinerlei Anzeichen. Sie hustete nicht, klagte nicht über Übelkeit und war auch nicht müde oder apathisch.

Wasser ist immer eine Gefahr

Wir hatten Glück im Unglück und sind mit einem großen Schock davon gekommen. Als Eltern kann man sich nichts schrecklicheres vorstellen, als sein Kind sterben zu sehen. Daher bitte ich euch inständig: Lasst eure Kinder auf keinen Fall unbeaufsichtigt baden. Behaltet sie genau im Auge. Wasser ist immer eine Gefahr – egal wie tief das Wasser ist. Tatsächlich reicht bereits eine kleine Pfütze für ein großes Unglück aus.

Kinder vor dem Ertrinken schützen

Solltet ihr im Sommer ein Platschbecken oder einen Pool im Garten oder auf dem Balkon aufstellen, sorgt dafür, dass die Kinder nur noch unter Aufsicht im Garten spielen und natürlich auch im Pool baden. Die Verlockung mal kurz beim Plantschbecken vorbeizugucken und ungünstig hineinzufallen, ist groß. Gleiches gilt für weitere Wasserquellen im Garten wie z.B. Regentonnen, Gartenteiche, mit Wasser gefüllte Eimer und Co. Was viele nicht wissen: Kinder unter drei Jahren können bereits bei einer Wassertiefe von 5 cm ertrinken.

Primäres Ertrinken – Kinder ertrinken anders als gedacht

Wenn (kleine) Kinder mit ihrem Kopf unter Wasser geraten, kommen sie oft nicht mehr auf die Beine, weil sie einen verhältnismäßig schweren Kopf haben. Zudem verlieren sie im Wasser schnell die Orientierung. Sobald sie mit dem Kopf ins Wasser fallen, wird eine Art Schockreaktion ausgelöst. Die Stimmritze im Rachenraum schließt sich und macht das Atmen unmöglich (Stichwort Stimmritzenkrampf). Deshalb können Ertrinkende auch nicht um Hilfe rufen. Sie ertrinken leise.

Ertrinkende können auch nicht mit den Armen winken. Stattdessen werden die Arme instinktiv zur Seite gestreckt, um sich möglichst lange über Wasser halten zu können. Eine bewusste Steuerung der Arme beim Ertrinken ist nicht möglich.

Wie ihr am Beispiel des Lavendelmädchens sehen könnt, bieten Schwimmhilfen keinen Schutz vorm Ertrinken. Im Gegenteil: Der Schwimmreifen hat dafür gesorgt, dass das Lavendelmädchen den Kontakt zum Poolboden verloren hat und sich infolgedessen nicht mehr aufrichten konnte.

Sekundäres Ertrinken: Eine unterschätzte Gefahr

Sollte ein Kind tatsächlich einen Badeunfall gehabt haben, zieht das Kind so schnell wie möglich aus dem Wasser und wickelt es in eine warme Decke, um einer Unterkühlung entgegen zu wirken. Beobachtet das Kind anschließend genau. Sucht mit eurem Kind einen Arzt auf und lasst die Lunge untersuchen. Hat das Kind Wasser eingeatmet, kann es in die Lunge gelangen und auch noch nach 24 Stunden zu schweren Atmenstörungen und somit zum Tod führen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit dem Artikel ein wenig wachrütteln. Wasser ist nicht nur für Nichtschwimmer eine Gefahr. Auch größere Kinder und Erwachsene können ertrinken. Bitte lasst eure Kinder beim Baden und Plantschen nicht aus den Augen. Ihr werdet es euch sonst nie verzeihen.

Anika

Dieser Artikel wurde verfasst von Anika: Zusammen mit der Lavendelfamilie, die aus dem Lavendelpapa, dem Lavendeljungen (6 Jahre) und dem Lavendelmädchen (3 Jahre) besteht, wohne ich in Lüneburg. Von hier aus unternehmen wir viele kleine und große Reisen in die nähere Umgebung und in die weite Welt. Seitdem ich Kinder habe, habe ich das Basteln für mich entdeckt und probiere viele DIY-Ideen aus. Gemeinsam mit den Kindern zu kochen, zu backen und raus in die Natur zu gehen, macht uns allen richtig viel Spaß.

3 Gedanken zu „Kinder ertrinken leise: Ein Sommerspaß mit schrecklichen Folgen

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu! Wir haben bei unseren Nachbarn auch einen Fall hautnah mitbekommen.
    Der knapp dreijährige NAchbarsjunge ist in den etwa 1,20 m tiefen Pool gefallen und hat sich NICHT bewegt. Schockstarre, der Kopf unten, die Füße oben. Es waren zwei Erwachsene in unmittelbarer Reichweite und ich hab es ein paar Meter weiter beobachtet, es war auch quasi vorprogrammiert, dass er reinfallen würde, so wie er da gespielt hat, daher haben wir ihn genau beobachtet. Innerhalb von Sekunden wurde er rausgeholt.
    Was ich gerne gewusst hätte, wie unsere Tochter (fast im gleichen Alter) reagiert hätte. Da sie regelmäßig zum Kinderschwimmen/ Wassergewöhnung geht. Auch in dem Alter wird schon beigebracht, dass sie sich nach einem Sprung direkt umdrehen zum Beckenrand. Außerdem ist sie das Wasser gewöhnt, hätte sie immerhin gestrampelt?
    Ein Thema, was glaube ich, zu wenig ernst genommen wird.
    Liuebe Grüße Hanna

  2. Unsere Große (6) hat gerade ihr Seepferdchen gemacht. Vorher war sie immer sehr vorsichtig und zurückhaltend am Wasser. Aber jetzt kann sie ja (angeblich) schwimmen und wird etwas übermütig. Sie sieht es auch gar nicht ein, daß wir weiterhin auf sie aufpassen müssen. Ganz ehrlich, jetzt mache ich mir viel mehr Sorgen als damals, als sie noch nicht schwimmen konnte.
    Ich hatte als Kind im Urlaub selbst einmal diese Situation mit einem Schwimmreifen. Die kommen mir deshalb auch gar nicht ins Haus. Wir nehmen Westen, Gürtel oder Schwimmflügel. Aber passieren kann ja immer was

  3. Die Schwimmringe gibt es bei uns nicht mehr. Meine Tochter ist damit auch mal umgekippt und hätte sich alleine aus der Situation gar nicht befreien können. wir waren zum Glück damals mit im Pool. Wie gut, dass es bei euch auch gut ausgegangen ist

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